Alkohol

»Alkohol erzeugt Trugbilder. Er kann einem vorgaukeln, das Leben sei voller Risiken und Abenteuer, spritzig und dynamisch wie eine raue See im Sonnenlicht. Manchmal genügt ein einziger Drink und man fühlt sich, als könne man Bäume ausreißen, hält sich für genial und allen Problemen gewachsen, die einen noch fünf Minuten vorher schier zu überwältigen drohten. In Wirklichkeit trifft genau das Gegenteil zu: Das Trinken blockiert das Leben und macht es mit der Zeit unbeweglich wie ein Fels.« Aus „Geschichte einer gefährlichen Liebe”, C. Knapp

Häufig liest man, ein Gläschen in Ehren könne nicht schaden, im Gegenteil maßvoll getrunken, fördere Alkohol die Gesundheit. Rotwein schütze vor dem Herzinfarkt, Bier spüle die Nieren durch, Wein sei gut für die Durchblutung der Leber. Kurz: Regelmäßiger Genuss von Alkohol verlängere das Leben. Aber das ist falsch. Alkohol ist weder ein Medikament, noch dient er gar der allgemeinen Gesundheitsförderung. Es gibt keinen risikofreien Alkoholkonsum, lediglich verhältnismäßig risikoarme Trinkmengen:
Für Männer pro Tag 3 mal bis zu 1/4 Liter Bier oder 3 mal bis zu 1/8 Liter Wein, für Frauen 2 mal 1/4 Liter Bier oder 2 mal 1/8 Liter Wein.
Alles, was darüber hinausgeht, erhöht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Krebserkrankungen und Störungen im Gefühlsleben wie Depressionen. Insgesamt erhöht sich das Risiko für psychische und physische Folgeschäden. Bei Infarkt gefährdeten Männern im mittleren und höheren Alter können sehr geringe Alkoholmengen vielleicht gegen das Infarktrisiko schützen. Es gibt jedoch keinen Grund für abstinentlebende Menschen, deshalb mit dem Trinken anzufangen. Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren sind, neigen ohnehin nicht zum Herzinfarkt, dass bringt Alkohol, auch in geringen Mengen, keine schützende Wirkung. Im Gegenteil: Alkohol erhöht die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken und während der Schwangerschaft schadet Alkohol dem Ungeborenen. In Deutschland gehen fast 6 Millionen Männer und Frauen leichtfertig mit Alkohol um. 2,4 Millionen betreiben Alkohol-Missbrauch, 1,6 Millionen sind von Alkohol abhängig, also alkoholkrank.

Ein vielschichtiges Gefüge von Ursachen
kann zum Alkoholismus führen, dazu gehören die psychische Disposition, die familiäre oder soziale Situation, aber auch eine ererbte Anlage zum Alkoholismus. Kinder von Alkoholkranken haben ein vierfachhöheres Risiko, selbst alkoholkrank zuwerden; diese Menschen müssen also besonders sorgfältig auf ihren Umgang mit Alkohol achten. Natürlich spielen die Menge, die täglich getrunken wird, und die Regelmäßigkeit, mit der dieses geschieht, eine Rolle. Je weniger regelmäßig getrunken wird, desto geringer ist die Gefahr zu erkranken oder abhängig zu werden. Doch bei ohnehin gefährdeten Menschen können selbst geringe Mengen bei regelmäßigem Konsum ausreichen, um Abhängigkeit oder Krankheiten zu erzeugen

Körperliche Folgen

Leber und Bauchspeicheldrüse
Die gefährlichste Folge von zu viel Alkohol ist für die Leber die Entwicklung der Alkoholzirrhose, also der Schrumpfleber, eine letztlich zum Tode führende unheilbare Krankheit. Männer, die 4o - 6o Gramm Alkohol pro Tag trinken, haben ein sechsmal höheres Risiko, an Leberzirrhose zu erkranken als Männer, die weniger trinken. Für Männer, die 61 - 80 Gramm Alkohol täglich konsumieren, steigt das Risiko auf das über 50-fache.
Noch einmal zur Verdeutlichung: Ein kleines Glas alkoholischer Getränke enthält ungefähr 10 Gramm reinen Alkohol. So viel ist enthalten z. B. in einem kleinen Bier (0.2 Liter = 8 Gramm, 0,33 Liter = 13 Gramm), einem Achtel Liter (0,125 Liter) Wein bzw. Sekt oder einem Korn (4 cl, 32 Vol.-%)
Während Lebererkrankungen in der Regel schmerzfrei sind und man sie deshalb auch oft erst feststellt, wenn es zu spät ist, sind chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse auch sie oft eine Folge von Alkoholmissbrauch äußerst schmerzhaft, wenn auch seltener als Lebererkrankungen.

Magen und Darm
Der Konsum von mehr als 30-40 Gramm Alkohol pro Tag, egal in welcher Form, führt oft zu Verletzungen der Magenschleimhaut oder, als Folge des Erbrechens, zu Magenblutungen. Auch die Schleimhaut des Dünndarmes wird oft geschädigt. Bestimmte wichtige Nährstoffe können nicht mehr aufgenommen werden. Es kommt zu erheblichen Mangelerscheinungen, Störungen der Verdauung und der Aufnahme der Vitamine und Spurenelemente, deren Transport im Blut und deren Speicherung, der Aktivierung des Stoffwechsels und schließlich der Ausscheidung.

Herz-Kreislaufsystem
Chronischer Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Herz und Kreislauferkrankungen. Zu hoher Blutdruck, der jeder Ärztlichen Behandlung widersteht, kommt bei Akoholkonsumenten doppelt so häufig vor wie bei Menschen, die keinen Alkoholtrinken. Wegen des erhöhten Blutdrucks ist der Alkoholkonsum auch mit deutlich erhöhtem Schlaganfall-Risiko verbunden. Bei exzessivem Alkoholkonsum ist die Gefahr eines Hirnschlages oder mangelnder Gehirndurchblutung gegeben.

Störungen des Immunsystems
Regel mäßiger und reichlicher Alkoholkonsum beeinflusst das Blut- und Immunsystem durch direkte oder indirekte Vergiftung des Stoffwechsels, durch die mangelnde Versorgung mit wichtigen Nahrungs bestandteilen und Spurenelementen. Die Abwehr von Infektionskrankheiten ist deshalb herabgesetzt. Infektionen wie Lungenentzündung oder Tuberkulose treten häufig als Folge von Alkoholismus auf.

Hormonelle Störungen
Durch zu viel Alkohol wird die Produktion der Sexualhormone schwergestört. Beim Mann führt das oft zu Impotenz oder Hodenschrumpfung, zur Verweiblichung des Aussehens, zur Vergrößerung der Brustdrüsen und zur Schädigung des Samens. Bei Frauen erhöht bereits moderater Alkoholkonsum das Risiko für Brustkrebs.

Krebserkrankungen
Schon seit langem weiß man, dass bestimmte Krebserkrankungen durch den Konsum und Missbrauch von Alkoholgefördert werden, nicht nur die Entstehung von Leberkrebs, auch die von Speiseröhrenkrebs und anderen Krebserkrankungen des Mund- und Rachenraumes, von Darmkrebs und von Brustkrebs. Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko, also mit einer entsprechenden eigenen Krankheits- oder Familienvorgeschichte von chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen oder Brustkrebs, sollten deshalb Alkohol meiden.

Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen 2003